Dieser Tage ist an vielen Straßenlaternen Werders ein Plakat zu sehen: “Havel-Therme wird 5 – Bedenken: Baden gegangen.”
Dazu ein paar Gedanken aus Sicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für euch in der Stadtverordnetenversammlung Werder (Havel).
Bedenken baden gegangen? Nein, höchstens das politische Gedächtnis. 2018 sagte Frau Bürgermeisterin Saß, die Kosten der Therme würden die Stadt nicht an der Erfüllung sonstiger Aufgaben hindern.
Inzwischen wissen wir: u.a. die beschlossene Ertüchtigung der Karl-Hagemeister Grundschule und der Grundschule Glindow wurden aus Kostengründen abgesagt; es gab in der jüngeren Vergangenheit eine Haushaltssperre; etc. Schlimmer aber noch, die Therme belastet auf 30 Jahre jedes Haushaltsjahr mit Millionen.
Der Jahresabschlussbericht weist für 2023 einen Verlust für die Stadt wegen der Therme von knapp 2 Mio Euro1 aus. Einzig der Thermenbetreiber geht mit satten Millionengewinnen nach Hause. Und was ist aus den Versprechen zu niedrigen Eintrittspreisen für Familien und Sportbad geworden? 2018 zur Vertragsunterzeichnung sollten Erwachsene für 3 Stunden 3 Euro bezahlen, heute müssen sie 10,50 Euro für nur 2 Stunden bezahlen. Kinder sollten damals 2 Euro für 3 Stunden zahlen, heute verlangt die Therme 9,- für 2 h2.
Wahr ist, für die Schauer+Co GmbH war schon der Bauvertrag eine Goldgrube und als Betreiber weist sie einen jährlichen Gewinn von zuletzt rund 2,5 Mio Euro3 aus. Ein ganzer Betrieb aus städtischen Geldern errichtet, aber die Gewinne privatisiert.
Ach ja, die Therme bringt Gewerbesteuer. Wenn das ein Indiz für kommunalen Erfolg wäre, dann könnte die Stadt all ihre Grundstücke verschenken und sich nachher darüber freuen, Grundsteuer einzunehmen. Dies wäre kein gutes Geschäft, wie es einem schnell einleuchtet.
Logisch, dass Frau Bürgermeisterin die Therme als Erfolg feiert. Was bleibt ihr anderes übrig, nachdem die Stadt sich das Thermen Abenteuer knapp 50 Mio Euro kosten ließ.
Wir gratulieren Herrn Schauer für seinen Anteil an einer gut besuchten Therme, aber wir finden sein Eigenlob geht sehr daran vorbei, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Werders, egal wie alt, rund 2000 Euro für die Therme bezahlt hat (eben rund 50 Mio Euro am Ende).
Da könnte sich der Thermenbetreiber eigentlich mal ganz umgekehrt bedanken. 30 Jahre darf er die Gewinne für sich allein erwirtschaften. Ein Vertrag auf Augenhöhe sieht anders aus. Diese Bedenken bleiben auch nach einem guten Thermenbesuch bestehen.