Erweiterung der Marina Zernsee – unter Mißachtung jeglicher naturschutzfachlicher Belange

Bagger mitten im Seerosenfeld Zernsee, Foto Joachim Hilburg

Die Marina Zernsee in Werder liegt zwischen den Siedlungen Zern und Havelauen am Großen Zernsee. Nach Süden hin schließt ein naturnaher Uferbereich vor der Siedlung Havelauen an, gegenüber am anderen Ufer liegt das Naturschutzgebiet „Wolfbruch“, das Bestandteil des europäischen Schutzgebietsnetzwerks NATURA 2000 ist.

Momentan wird eine Baumaßnahme durchgeführt, um die Marina in Richtung Süden bis in den Bereich vor dem Spielplatz am Großen Zernsee zu erweitern. Dabei wird das betreffende, bis dahin naturnahe Gebiet mit Schwimmblattvegetation mit einem Schwimmbagger ausgeschachtet und es werden röhrenförmige Stahlpfähle gesetzt um später daran Stege zu befestigen. Auftraggeber ist vermutlich die Marina Zernsee GmbH & Co. KG.

Für die Maßnahme liegt die Genehmigung des Landkreises PM vor. Die Stadt Werder brachte  – erwartungskonform – keine Bedenken ein. Eine Verbandsbeteiligung ist nicht erfolgt. Eine telefonische Auskunft der unteren Naturschutzbehörde (uNB) ergab, dass aus Naturschutzgründen das große Seerosengebiet südlich der Marina erhalten bleiben und die Baumaßnahme im Winterhalbjahr stattfinden sollte. An beide Auflagen hat sich der Auftraggeber nicht gehalten! Das Seerosenfeld wurde vollständig abgebaggert (obwohl es dem besonderen Schutz des § 32 des Brandenburgischen Naturschutzausführungsgesetzes unterliegt) und die Baumaßnahme wird mitten während der Vegetationszeit und während der Fortpflanzungsperiode der Wasservögel durchgeführt.

Die uNB hatte nach telefonischer Aussage ihre zustimmende Entscheidung lediglich auf der Grundlage eines Luftbildes getroffen und war davon ausgegangen, dass das Seerosenfeld durch die Anlage der Stege nördlich davon erhalten werden könnte. Ihr war auch nicht bewusst, dass dadurch die Sichtbeziehungen vom Spielplatz zum See zerstört würden. Nachdem sie die Maßnahme mit der Realität verglichen hat, bedauert sie ihre Zustimmung.

Die Maßnahme bewirkt, dass der schöne Blick über den Großen Zernsee und zum Ufer des NSG Wolfsbruch vom Spielplatz aus verlorengeht. Die Menschen, die ihn künftig besuchen, werden stattdessen mit der Tristesse konfrontiert, die von Ansammlungen von Motorjachten ausgeht. Die ohnehin schon im Übermaß vorhanden Motorjachten werden weiter vermehrt, zum Nachteil von muskelbetriebenen Booten und zum Nachteil eines vernünftigen Umgangs mit Ressourcen. Wieder einmal werden in Werder Interessen an privatem Luxus und Profit den Interessen der Allgemeinheit geopfert und dabei gesetzliche Bestimmungen ignoriert.